Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 24.08.2018

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Von Udo Pollmer

Naturschützer beklagen "eine Tiertragödie größten Ausmaßes". Gleich auf zwei Kontinenten hat ein dramatisches Sterben viele Geierarten an den Rand des Abgrunds gebracht. Verantwortlich dafür seien Tiermedikamente. Stimmt im Prinzip. Das Sterben begann in Indien in den Türmen des Schweigens. Dort pflegen die Parsen, Angehörige einer indischen Religion, ihre Toten den Geiern zum Fressen anzubieten. Da so ein Vogel pro Minute ein ganzes Kilo Fleisch herunter zu schlingen vermag, bleibt in kürzester Zeit nur noch das Skelett übrig. Für einen Parsen ist das die einzig würdige Form der Bestattung. Doch damit war eines Tages Schluss. Der Grund: Die Verstorbenen hatten vor ihrem Tod Diclofenac erhalten, ein billiges wie wirksames Schmerzmittel. Bereits 1,5 mg Diclo genügen, um einen Geier zu töten. Die Leber eines Schmerzpatienten reicht für mehrere Vögel. Nun vermag...

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„Zusatzstoffe gehören nicht ins Essen. Sie gehören ins Museum!“

Das Zusatzstoffheft von 2014 steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit. Die aktuelle Auflage von 2017 kann im exclusiven Mitgliederbereich heruntergeladen werden.

Zusatzstoffe TITELDieses Handlexikon dokumentiert die Fülle an Stoffen, die zur Herstellung unserer täglichen Nahrung genutzt werden. Viele dieser Substanzen sind mehr oder weniger gut geprüft, viele andere so gut wie nicht. Deshalb will die EU bis Ende 2020 zahlreiche der Zusätze endlich einer korrekten Prüfung unterziehen. Einige Zusätze werden deklariert, andere, wie die Aromastoffe mit über 2.000 Substanzen, firmieren auf dem Etikett pauschal als „Aroma“. Dazu kommen die Stoffe, die überhaupt nicht deklariert werden. Genannt seien hier die Enzyme, deren weit verbreiteter Einsatz in den allermeisten Fällen verschwiegen werden darf. Doch auch die deklarierten Begriffe erfordern oft genug erhebliche lebensmittelrechtliche Kenntnisse und technologisches Verständnis, um sie richtig deuten zu können. Bisher hat sich die Lebensmittelwirtschaft nur zu gerne davor gedrückt, dem Kunden reinen Wein einzuschenken. Dieses Handlexikon soll das ändern.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen hilft die Packungsbeilage nicht weiter. Es spricht der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des EU.L.E. e.V.



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Fliegen statt Fleisch: Unsere letzte Chance?

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von Andrea Fock, Wolf Lengwenus, Jutta Muth und Udo Pollmer
Erschienen im EU.L.E.N-SPIEGEL 3-4/2010  S. 15-22

Krabbeltisch© iStockphoto.com / MaxfocusDie Gier nach Fleisch ruiniert bekanntlich unseren Globus. Angesichts bodenständiger Köstlichkeiten der feinen Küche wie Schnepfendreck und maccheroni piatti müsste es doch ein Leichtes sein, den westlichen Industrienationen die Vorteile der Insektenkost nahe zu bringen. Werden wir statt überzüchteten Schweineschnitzeln und klimaschädlichen Rindersteaks dann auf Heuschrecken aus Wildfängen herumkauen, handgestreichelte Palmrüssler auszuzeln und uns in der Fastenzeit an Filzläusen vom Biobauern delektieren? Selbst die Raumfahrt soll dereinst von Insekten beflügelt werden. 

Allerorten wird bereits intensiv an profitablen Mastverfahren gefeilt. In Europa tut sich die Agraruniversität im holländischen Wageningen mit einem ehrgeizigen Maden-Projekt hervor.134 Zunächst soll ermittelt werden, welche Abfälle der Lebensmittelindustrie von welchem Geziefer verspeist werden – eine Zielsetzung, die einem Schädlingsbekämpfer die Schweißperlen auf die Stirn treiben könnte.
In einem weiteren Schritt soll das Eiweiß der Zuchtinsekten in bewährten Speisen teurere Rohstoffe ersetzen oder als funktionales Additiv endlich die ekligen E-Nummern von den Etiketten verschwinden lassen. Und wo bleiben Abfälle wie die Chitinpanzer? Ernährungsexperten werden bald ihren Wert als Ballaststoffe erkennen und sie Gummibärchen, Geflügelwurst und Gabelbissen untermischen.

Diäten machen dicker!

JoJo© MaryPerry / www.fotolia.deOb im Januar Schnee fällt ist, ist nie sicher. Aber der „Schnee von gestern“ fällt so sicher wie das Amen in der Kirche: Alle Jahre wieder preisen deutsche Medien die neuesten Neujahrsdiäten an. „Einfach schlank“, so lautet der Köderclaim 2015, um abnehmwillige Bürger zum Kauf der Diät-Spezialausgaben zu verleiten. „Inzwischen ist unbestreitbar, dass Diäten nicht schlank machen, sondern langfristig dicker“, erklärt Ökotrophologe Uwe Knop, „daher kann man nur einen Rat erteilen: Halten Sie sich fern von Abspeckkuren!“ Dabei spielt es keine Rolle, ob Punkte, Pillen oder Pulver, ob Low- oder HighCarb oder welche Fantasien findige Diätanbieter auch immer als das „Non-Plus-Ultra“ positionieren. „Alle Diäten wirken gleich – der anfängliche Gewichtsverlust beruht meist auf der Ausscheidung von Wasser, anschließend setzt der Abbau der Muskel- und Knochenmasse ein. Fett greift der Körper...