Meinungsmache 2.0: Wie vage Vermutungen zu Wahrheiten werden
- denn mit Konjunktivismen lockt man keine Journalisten

Salzstreuer ElelichtSalzstreuer
Foto: Elelicht
Lizenz: CC BY-SA 3.0
München, 24.10.2013 -
Der September hat in Sachen „Ernährungsunsinn des Monats“ ein Paradebeispiel geliefert, wie Vermutungen aus Beobachtungsstudien zu Wahrheiten umformuliert werden, um Redaktionen prinzipiell nichtssagende Instituts-PR schmackhaft zu machen: „Salzreduktion schützt vor Herzschwäche“ lautete die Headline der Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie DGK e.V.1, die es auch prompt in gutgläubige Presseorgane schaffte.2
„Diese Überschrift wird nicht durch die vorgelegten Daten gestützt – ganz im Gegenteil: Es gibt noch nicht einmal eine belastbare Korrelation“, erklärt Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E. e.V.). „Trotzdem wird den Bürgern ein `Herzschutz durch weniger Salz´ versprochen. Das ist für eine medizinische Fachorganisation wie die DGK nicht akzeptabel. Und das scheint offenbar auch der DGK klar, denn...

Der Autor und Lebensmittechemiker Udo Pollmer kritisiert die Idee einer für alle gleichermaßen gesunden Ernährung. Er hält die Mittelmeer-Diät für Unfug und sagt, Veganer seien Wirklichkeitsflüchtlinge. Im Interview mit Nicole Golombek.

erschienen in Sonntag Aktuell am 13.04.2014  PDF-download

Salatteller© Bastian Weltjen / www.fotolia.de

NG: Herr Pollmer, gesund bleiben kann man nur, wenn man isst und trinkt, was man nicht mag, und tut, wozu man keine Lust hat, sagt Mark Twain.

UP: Bingo! In einer protestantischen Gesellschaft ist alles, was wir mögen, des Teufels. Der Geist ist stark, und das Fleisch ist schwach. Ich aber sage: Der Geist der Ernährungsberatung ist schwach, aber das Fleisch ist klug.

NG: Apropos Fleisch. Liegt nicht so im Trend. Immer mehr Leute, darunter viele junge, sind Veganer.

UP: Junge Menschen treten nun mal erwartungsvoll ins Leben. Aber sie haben heute kaum noch Freiheiten, weil sie allerorten vor allen Gefahren geschützt werden sollen. Wo gibt es noch Abenteuer? Wo können sich Jungs noch bewähren? Also fahren sie in den Busch und retten Gazellen oder schützen Robbenbabys vor den Eisbären. Dort leben sie die Freiheit aus, die sie hier vermissen. Oder sie bleiben hier, wo sie sich am besten über exotische Ernährungsweisen vom Rest der Gesellschaft abheben können. Wer sich kasteit oder sich zwingt, Dinge zu essen, die er eigentlich nicht mag, der setzt sich genauso einer Prüfung aus und...

Fragwürdige Ernährungstipps
Sendung vom 23.02.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Keine Idee ist offenbar so abstrus, als dass sie nicht Nachahmer fände. Derzeit hat der Verzehr von Waschmitteltabs Konjunktur. Dass kleine Kinder die bunten, mundgerechten Kapseln in den Mund stecken, ist kaum verwunderlich. Aber auch viele Jugendliche konsumieren diese sogenannten Tide-Pods als Mutprobe und landen dann in der Notaufnahme. Im Januar reagierte YouTube und begann Videos zu löschen, in denen sich junge Leute beim Waschmittel-Futtern gefilmt hatten. Wie kommt es, dass Jugendliche anstandslos Waschpulver vertilgen, ohne dies beim Reinbeißen reflexartig auszuspucken? Warum fehlt ihnen die altersgemäße Einsicht, dass man nicht einfach alles schluckt, was man in den Mund stopfen kann? Die Gründe sind symptomatisch für Menschen, denen der natürliche Bezug zum Essen ausgetrieben wurde: Wenn...

=> lesen oder hören Sie weiter auf Deutschlandfunk Kultur Mahlzeit!

Neue Technologien ohne Beigeschmack?

Farbstoffe in Lebensmitteln sind ein heikles Thema. Natürlich, künstlich und jetzt auch noch Nanotechnologie! Es spricht der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des EU.L.E. e.V.


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von Peter PorzPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 2/2010 S. 1-2

Zwerg© EU.L.E.Welche Krankenschwester, welcher Medizinstudent war im Laufe der Ausbildung nicht überzeugt, an einer heimtückischen Krankheit zu leiden? Alle frisch gelernten Symptome ließen sich zweifelsfrei am eigenen Leibe erkennen. Ich fürchtete damals auf Grund meiner zahlreichen Leberflecke das Ende meines Studiums nicht mehr zu erleben; der vermeintlich drohende schwarze Hautkrebs raubte mir die innere Ruhe.

Gefahr für Leib und Leben

Glücklicherweise endet diese Phase spätestens beim Eintritt ins Berufsleben. Die Zahl der Symptome und der möglichen Krankheiten überfordern irgendwann sogar die Vorstellungskraft eines gestandenen Hypochonders. Gelassenheit macht sich breit. Wenn der Bauch mal kullert oder es in der Brust zwickt, leidet man nicht gleich unter Darmkrebs oder Lungenkarzinom. Als ich ein Bub war, wurden solche Befindlichkeitsstörungen noch erfolgreich mit einer warmen Bettdecke, Kamillentee und einer Gute-Nacht-Geschichte behoben.

Heute setzt die Gesundheits-Branche auf...