Papier enthält eine Fülle von unerforschten Stoffen
Sendung vom 12.12.2014

Radio

Von Udo Pollmer

"Die Verführungskraft der Praline ist enorm", mahnt Stiftung Warentest - und kann selbst der Versuchung nicht widerstehen, der Leckerei kurz vor Weihnachten noch eins auszuwischen. Die Masche ist bekannt: Man nehme Stoffe, die als schädlich gelten und die zugleich unvermeidlich sind. An sich ein löbliches Tun, sofern es dazu beiträgt, Risiken zu mindern. Unsinnig wird es dann, wenn belanglose Rückstandsgehalte zur Gefahr hochstilisiert werden - und gleichzeitig gravierende Belastungen unter den Tisch fallen.
Stiftung Warentest hat also Mineralöle in Pralinen gefunden. Bereits vor zwei Jahren hatte die Verunreinigung in Adventskalendern großes Medienecho ausgelöst. Doch wie riskant sind diese Pralinen?
Mineralöle finden sich in vielen Lebensmitteln - und nicht nur in exotischen Schokoartikeln. Sie haben nichts mit Motoröl zu tun, sondern vor allem mit Tageszeitungen. Die fraglichen Mineralöle sind Bestandteile der Druckfarben. Beim Recycling von Altpapier werden sie gleichmäßig in der Ökopapiermasse verteilt. Die Öle gasen aus und wir atmen sie überall dort ein, wo Kartons oder Recyclingpapier herumliegen. Auf diesem Wege ...

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Wie Lebkuchen und Glühwein die Winterdepression vertreiben
Sendung vom 05.12.2014

Radio

Von Udo Pollmer

Echte Lebkuchen sind dank erlesener Zutaten wie Mandeln und einer gepflegten Portion exotischer Gewürze ein kulinarisches Highlight. Selbst beim Triebmittel kriegt der Lebkuchen eine Extrawurst gebraten. Statt billigem Backpulver gehört das teurere Hirschhornsalz zur Rezeptur. Doch nicht alle sind davon begeistert. Bei so teuren Rohstoffen werden die Hersteller kreativ und suchen im Lebensmittelrecht nach Lücken und auf dem Markt nach Ersatzstoffen. Statt der hochpreisigen Gewürze gibt’s viel günstigere Aromen. Richtig dosiert ist der Geschmack kaum zu unterscheiden. Statt Mandeln tun es zur Not auch Erdnüsse. Wozu Hirschhornsalz einkaufen? Mit billigem Backpulver lässt sich der Teig gleich abbacken und er muss nicht, wie bisher, einige Zeit kühl stehen. Das spart Lagerkapazität und Zeit. Der Kunde bekommt damit für immer weniger Geld immer mehr aromatisierte Schaumfladen – ach was, Lebkuchen natürlich.
Allein das Wort Hirschhornsalz klingt wie ein Anachronismus. Ursprünglich wurde das Backtriebmittel durch Erhitzen von geraspelten Geweihen von Hirschen gewonnen – dabei entstand Ammoniumcarbonat. Heute müssen dafür keine Hirsche mehr erlegt werden, das erledigt jetzt die chemische Industrie. Ammoniumcarbonat setzt im Teig nicht nur Kohlendioxid frei, sondern ...

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Die süße Rezeptur und die Kombination mit Alkohol können gefährlich sein
Sendung vom 28.11.2014

Radio

Von Udo Pollmer

Viele Jugendliche lieben Energydrinks, doch Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung warnen. Denn die Zahl der Vergiftungsfälle durch diese Getränke nimmt weltweit zu, im Jahr 2011 suchten bereits über 20.000 Amerikaner die Notaufnahme auf. Dabei ist zu bedenken, dass es ist nicht unüblich ist, wenn junge Leute die Drinks gleich literweise konsumieren. Eine Überdosis könne, so die Fachpresse, erhöhten Blutdruck, Übelkeit, Schwindel und Herzversagen auslösen – und so im schlimmsten Fall zum Tod führen. Verantwortlich dafür soll das Koffein sein. Gar nicht auszudenken, möchte man einwenden, wie gefährlich erst Kaffeehäuser und Teestuben sein müssen, die ahnungslosen Gästen kännchenweise bedrohliches Koffein kredenzen.

Doch ganz so einfach ist es nicht: Ein erheblicher Anteil der Fälle betrifft Kleinkinder, die die Plörre versehentlich geschluckt haben. Bohnenkaffee ist im Gegensatz dazu bitter und wird von den Kleinen sofort ausgespuckt, aber die pappsüßen Getränke konsumieren sie bereitwillig, auch dann, wenn der Koffeingehalt viel höher ist als in Cola. Die Gefahr entsteht durch die "kinderfreundliche" Rezeptur. Wegen seines ...

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Wie ein Grundnahrungsmittel zu einem Gefahrstoff erklärt wird
Sendung vom 21.11.2014

Radio

Von Udo Pollmer

Die Milch hat's nicht leicht. Erst wird sie in der Molkerei mit modernsten Techniken solange bearbeitet, bis sie als haltbare Magermilch in den Regalen landet. Und dann gerät sie auch noch ins Visier der Ernährungsexperten. Doch nicht am fehlenden Fett entzündet sich die Kritik, sondern am Original: Zahlreiche Schriften und Internetvideos verkünden, dass frische Milch das giftigste aller Lebensmittel sei, ja, dass sich der ahnungslose Milchtrinker damit den Krebstod direkt einverleibe. An sich ist der Vorwurf nicht besonders originell, denn damit müssen alle nahrhaften Lebensmittel wie Bratkartoffeln, Rotwein oder Schinkenbrötchen leben. Die Milch befindet sich also in guter Gesellschaft.

Den Krebsvorwurf verdankt sie dem Umstand, dass sich darin Hormone nachweisen lassen. Sie stammen aus dem Stoffwechsel des Rindes. Bekanntlich finden sich in allen tierischen Geweben Hormone. Denn damit wird der Körper von Tier und Mensch gesteuert. Probleme verursachen diese Hormone in der Milch ebenso wenig wie im Fleisch – einfach weil sie stets in physiologischer Dosis vorliegen, zweitens weil sie im Verdauungstrakt schnell abgebaut werden und drittens weil der eigene Körper sowieso täglich wesentlich mehr davon produziert als ...

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Blei im Blut macht Kinder aggressiv
Sendung vom 14.11.2014

Radio

Von Udo Pollmer

Manchmal gibt es erfreuliche Nachrichten, die keine Aufmerksamkeit erfahren, weil das Ergebnis so gar nicht zum Zeitgeist passen will. In den USA wundern sich die Kriminologen über einen unerklärlichen Trend: Bis 1990 stieg die Zahl der Verbrechen kontinuierlich an, seither sinkt sie in gleicher Weise wieder ab. Das zeigen die Daten des FBI – und nicht nur diese. Lange wurde über die Gründe gerätselt. Inzwischen zeichnet sich ab, dass wohl ein Umweltgift die zentrale Rolle spielt, eine Erkenntnis, die allerdings nicht überall auf Zustimmung stößt. Als Ursache der sinkenden Kriminalitätszahlen gilt das Verbot von Blei im Benzin. Klingt irgendwie zu einfach, um wahr zu sein.
Andererseits: Das Blei, genauer gesagt das Tetraethylblei, das früher dem Benzin als Antiklopfmittel zugesetzt wurde, wird vom Menschen unmittelbar über die Atemluft und über die Haut aufgenommen. Dutzende von Forschern sind beim Experimentieren dabei zu Tode gekommen – einschließlich seines Entdeckers. Im Körper wird das Tetraethylblei in das hochtoxische Nervengift Triethylblei umgewandelt. Es ist damit auch weitaus giftiger als gewöhnliches, sprich ...

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