Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 24.08.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Naturschützer beklagen "eine Tiertragödie größten Ausmaßes". Gleich auf zwei Kontinenten hat ein dramatisches Sterben viele Geierarten an den Rand des Abgrunds gebracht. Verantwortlich dafür seien Tiermedikamente. Stimmt im Prinzip. Das Sterben begann in Indien in den Türmen des Schweigens. Dort pflegen die Parsen, Angehörige einer indischen Religion, ihre Toten den Geiern zum Fressen anzubieten. Da so ein Vogel pro Minute ein ganzes Kilo Fleisch herunter zu schlingen vermag, bleibt in kürzester Zeit nur noch das Skelett übrig. Für einen Parsen ist das die einzig würdige Form der Bestattung. Doch damit war eines Tages Schluss. Der Grund: Die Verstorbenen hatten vor ihrem Tod Diclofenac erhalten, ein billiges wie wirksames Schmerzmittel. Bereits 1,5 mg Diclo genügen, um einen Geier zu töten. Die Leber eines Schmerzpatienten reicht für mehrere Vögel. Nun vermag...

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Fliegen statt Fleisch: Unsere letzte Chance?

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von Andrea Fock, Wolf Lengwenus, Jutta Muth und Udo Pollmer
Erschienen im EU.L.E.N-SPIEGEL 3-4/2010  S. 15-22

Krabbeltisch© iStockphoto.com / MaxfocusDie Gier nach Fleisch ruiniert bekanntlich unseren Globus. Angesichts bodenständiger Köstlichkeiten der feinen Küche wie Schnepfendreck und maccheroni piatti müsste es doch ein Leichtes sein, den westlichen Industrienationen die Vorteile der Insektenkost nahe zu bringen. Werden wir statt überzüchteten Schweineschnitzeln und klimaschädlichen Rindersteaks dann auf Heuschrecken aus Wildfängen herumkauen, handgestreichelte Palmrüssler auszuzeln und uns in der Fastenzeit an Filzläusen vom Biobauern delektieren? Selbst die Raumfahrt soll dereinst von Insekten beflügelt werden. 

Allerorten wird bereits intensiv an profitablen Mastverfahren gefeilt. In Europa tut sich die Agraruniversität im holländischen Wageningen mit einem ehrgeizigen Maden-Projekt hervor.134 Zunächst soll ermittelt werden, welche Abfälle der Lebensmittelindustrie von welchem Geziefer verspeist werden – eine Zielsetzung, die einem Schädlingsbekämpfer die Schweißperlen auf die Stirn treiben könnte.
In einem weiteren Schritt soll das Eiweiß der Zuchtinsekten in bewährten Speisen teurere Rohstoffe ersetzen oder als funktionales Additiv endlich die ekligen E-Nummern von den Etiketten verschwinden lassen. Und wo bleiben Abfälle wie die Chitinpanzer? Ernährungsexperten werden bald ihren Wert als Ballaststoffe erkennen und sie Gummibärchen, Geflügelwurst und Gabelbissen untermischen.

Diäten machen dicker!

JoJo© MaryPerry / www.fotolia.deOb im Januar Schnee fällt ist, ist nie sicher. Aber der „Schnee von gestern“ fällt so sicher wie das Amen in der Kirche: Alle Jahre wieder preisen deutsche Medien die neuesten Neujahrsdiäten an. „Einfach schlank“, so lautet der Köderclaim 2015, um abnehmwillige Bürger zum Kauf der Diät-Spezialausgaben zu verleiten. „Inzwischen ist unbestreitbar, dass Diäten nicht schlank machen, sondern langfristig dicker“, erklärt Ökotrophologe Uwe Knop, „daher kann man nur einen Rat erteilen: Halten Sie sich fern von Abspeckkuren!“ Dabei spielt es keine Rolle, ob Punkte, Pillen oder Pulver, ob Low- oder HighCarb oder welche Fantasien findige Diätanbieter auch immer als das „Non-Plus-Ultra“ positionieren. „Alle Diäten wirken gleich – der anfängliche Gewichtsverlust beruht meist auf der Ausscheidung von Wasser, anschließend setzt der Abbau der Muskel- und Knochenmasse ein. Fett greift der Körper...

Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 10.08.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Unsere Supermärkte führen immer weniger bewährte Produkte, sie setzen lieber auf "Superfood". Statt Lebensmittel, die der Kunde zum Leben braucht, gibt’s nun Kaufähiges, welches das aktuelle Glaubenssystem der Kundschaft bedient. Nachdem viele traditionelle Erzeugnisse bis an den Rand der Ungenießbarkeit verbessert wurden, salzarm, fettarm, kalorienarm, dafür mit geschmeidigen Pflanzenfasern, sucht der Handel nun händeringend nach Alternativen. Doch das neue Sortiment an Superfood aus rohen Kakaobohnen, bitteren Wiesenkräutern und komischen Beeren, die laut Werbung "super sauer schmecken", ergibt noch kein Menü. Zum Glück gibt es noch halbwegs echte Produkte - zum Beispiel Vollmilch. Doch die Milch fördere Krebs, verschleime Kinder und sorge, wie ein populäres Gesundheitsportal verbreitet, für einen "frühen Tod". Das Grundnahrungsmittel...

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Zielvorgabe Schulernährung:
Den Schülern schmeckt es, sie essen sich satt und bleiben so leistungsfähig !

Vegetarisch fuer Kinder© BlueSkyImages / www.fotolia.deNachdem im Sommer dieses Jahres ein Aufschrei der Empörung durch Deutschland hallte, weil „in Kitas zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse verzehrt“ würde, nahm sich im November eine weitere Studie nun das Schulessen zur Brust [1] – und kam zum gleichen Ergebnis wie die Kita-Studie. Auch die medialen Mechanismen waren die gleichen – die vorschnelle und ungerechtfertigte Aburteilung, das Essen sei ungesund, denn es entspräche nicht den DGE*-Standards. Dabei lieferte die aktuelle Schulstudie - im Gegensatz zur Kita-Studie - das wichtigste Ergebnis gleich mit: „Den Kindern munden ihre Mittagsmahlzeiten: Etwa der Hälfte aller Schüler schmeckt das Essen sehr gut oder gut, insgesamt liegt die Note bei einer Zwei minus – und das ist unterm Strich, was auf dem Tisch zählt“, erklärt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. „Die praktische Erfahrung zeigt, dass gerade...