Landwirtschaft
Sendung vom 15.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Endlich hat die Landwirtschaft eine Stimme, die auch gehört wird. Unter dem Pseudonym "Bauer Willi" hat ein Landwirt vom Niederrhein einen Brandbrief an die Verbraucher gerichtet. Aus seiner Sicht sind die ziemlich schizophren. Einerseits forderten sie eine Ponyhof-Landwirtschaft mit Schmetterlingen und Blümelein, andererseits würden sie immer nur das Billigste aus der Monokultur kaufen. Erst stellen sie jede Menge Ansprüche an die Erzeuger und dann werfen sie ihre Nahrungsmittel achtlos in die Tonne. Für Bauer Willi ein deutliches Zeichen, dass unsere Lebensmittel zu billig sind, eine Aussage, für die er im Internet viel Zustimmung erntete. Einer seiner Kollegen bekam für seine Kartoffeln gerade mal einen Cent pro Kilo – und im Laden kosten TK-Pommes dann mehr als das Zweihundertfache. Hier mache sich jemand "gewaltig die Taschen voll", urteilt der Landmann. Sein Frust ist verständlich, aber glaubt er ernsthaft, dass das Geld in seinen Taschen landet, wenn die Kunden...

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Eistee
Sendung vom 08.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Laut Medienberichten steht der beliebte Eistee im Verdacht, Nierenversagen auszulösen. Anlass ist ein an sich gesunder US-Bürger, der täglich gleich mehrere Liter konsumiert hatte. Die Ärzte sind sich nach ausführlicher Anamnese sicher, mit dem Getränk die Ursache gefunden zu haben und sie sind überzeugt, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Was bitte kommt an problematischen Zutaten in den Eistee? Laut Zutatenliste handelt es sich um eine Mixtur aus Wasser, Zucker, Aromen, Zitronensäure und Schwarztee. Eine Angabe fehlt allerdings auf dem Etikett: die Methode der Haltbarmachung. Eine Konservierung ist zwingend erforderlich, denn Eistee enthält im Gegensatz zu den meisten Erfrischungsgetränken keine Kohlensäure. Deshalb wird das Getränk gern mit Dimethyldicarbonat haltbar gemacht, - ein radikales, giftiges und explosives Desinfektionsmittel. Da es sich während der Behandlung zersetzt, erübrigt sich eine Deklaration. Doch das Desinfektionsmittel ist unschuldig, Zucker, Wasser und...

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Pflanzenschutz
Sendung vom 24.04.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Der 25. April war einst einer der wichtigsten Festtage im Jahr. Man feierte die Robigalia, nach heutiger Terminologie den "Welttag des Pflanzenschutzes". Der aktuelle Zeitgeist empfände das wohl eher als Provokation, da stünde ein "Tag der Pestizidopfer" auf der Agenda. Das Robigalia-Fest fand zu Ehren von Robigus statt, dem römischen Gott des Pflanzenschutzes. Sein Name bezieht sich explizit auf eine der gefürchtetsten Getreidekrankheiten, den roten Getreiderost. Damit reiche Ernten winken, sollte der Gott durch das Opfern eines roten Hundes gnädig gestimmt werden. Natürlich wurden in der Antike nicht nur magische Rituale abgehalten, sondern auch Pflanzenschutz praktiziert. Die Römer kannten die Anfälligkeit ihrer Getreidesorten für Krankheiten, sie beizten die Saaten und brachten Gift zur Insekten- und Mäusebekämpfung aus. Ihre Getreidelager bauten sie möglichst so, dass die Schädlinge darin erstickten. Das änderte sich um das Jahr 800 unserer Zeit. Damals wurde das Fest in einen kirchlichen...

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Landwirtschaft soll schuld sein
Sendung vom 17.04.2015

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Von Udo Pollmer

Wenn Bienen sterben, geraten reflexartig Pestizide in Verdacht. Aktuell stehen die Neonicotinoide am Pranger, eine Gruppe probater Insektengifte, die glücklicherweise für Säugetiere und damit auch für Menschen relativ ungiftig sind. Aber Bienen sind bekanntlich Insekten – und so erscheint ein Bienensterben durch Insektenmittel nur logisch. Mancherorts versuchen die Behörden, den betroffenen Imkern die Schäden zu ersetzen. Führt der Bienenhalter seine Völkerverluste auf Neonicotinoide zurück, gibt's Kohle vom Staat. Dann steigt die Zahl der Fälle. Für den geschäftstüchtigen Imker ist es wirtschaftlicher, das ganze Volk im Herbst nach der Honigernte abzutöten, so spart er sich die Winterfütterung. Im Frühjahr erwirbt er sogenannte Paketbienen, also eine Königin samt einem kleinen Hofstaat – "Paketbienen" heißen sie deshalb, weil sie in einem Käfig von der Größe eines Lockenwicklers per Post verschickt werden. Der Inhalt wächst im Frühjahr schnell zu einem Volk heran. Diese Art der Imkerei...

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Essen wir zuviel Eiweiß?
Sendung vom 10.04.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Unser Bedarf an Nährstoffen ist nicht starr, sondern schwankt von Mensch zu Mensch – und das in einem weiten Bereich. So lautet einer der wichtigsten Ernährungsgrundsätze. Dies gilt selbstredend auch für den Eiweißbedarf. Manche benötigen eine Kost mit viel Fleisch und Käse, andere sind von ihrem Stoffwechsel her eher Kohlenhydratesser. Diese Vorlieben sind angeboren, die Unterschiede messbar, beispielsweise anhand des Insulinreflexes. Liebhaber von Pizza und Pasta, also von Kohlenhydraten, schütten schon beim Kauen Insulin aus, um auf die Blutzuckerfracht vorbereitet zu sein. Bei typischen Fleischessern erfolgt die Ausschüttung erst, wenn der Zucker vom Darm ins Blut strömt. Der Grund liegt in unserer Evolution: Solange Jäger oder Nomaden sich vorzugsweise von tierischen Produkten nährten, genügte es, wenn angesichts der knappen stärkehaltigen Beilagen das Insulin erst während des Verdauungsvorgangs bereitgestellt wurde. Bei den Ackerbauern mit...

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