Lebensmittel
Sendung vom 12.06.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Die Wirtschaft probiert es mal andersherum: Sie will endlich alle Produkte kennzeichnen, die in irgendeiner Weise mit Gentechnik hergestellt wurden. Prompt regt sich bei den Kritikern der Gentechnik heftiger Widerstand: Denn wenn ausgerechnet die Lebensmittel-Lobby ihre populären Forderungen nach uneingeschränkter Kennzeichnung übernimmt, dann verheißt das in der Politik nichts Gutes. Die Gentechnik-Gegner begründen ihre überraschende Kehrtwende damit, die "Lobbytruppe" der Wirtschaft wolle eine Labelflut in den Regalen, "die den Verbrauchern suggeriert, der Gentechnik sei nicht mehr zu entkommen". Sie hoffen, dass immer mehr Produkte mit dem Aufdruck "gentechnikfrei" werben, noch besser, dass ganze Landstriche als "gentechnikfreie Regionen" ausgerufen werden. So Unrecht haben sie mit ihrer Befürchtung nicht. Die Kritiker der Gentechnik wissen natürlich, dass ihre gentechnikfreien Regionen potemkinsche...

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Studie zum Herzinfarkt-Risiko
Sendung vom 05.06.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Die Cholesterin-Saga nahm unlängst eine unerwartete Wendung. Das Advisory-Board der US-Regierung empfahl die Warnung vor Cholesterin im Essen aufzugeben, denn es gäbe keinerlei Grund, auf die Zufuhr von Cholesterin zu achten. Die Experten setzten noch einen drauf: Es hätte niemals Belege für die Schädlichkeit von Nahrungscholesterin gegeben. Wo sind die angeblich so soliden Beweise abgeblieben? Da hilft ein Blick in die Geschichte der Cholesterinangst. Der Vater dieser Idee war der amerikanische Physiologe und Ozeanograph Ancel Keys. Bereits 1953 verdächtigte er das Cholesterin in den tierischen Fetten als Hauptschuldigen für Herzinfarkt. Doch der Durchbruch gelang ihm erst mit der berühmten Sieben-Länder-Studie, die 1958 startete. Damit versuchte Keys einen Zusammenhang zwischen tierischem Fett im Essen, dem Cholesterinspiegel im Blut und dem Risiko von Herzinfarkt zu konstruieren. Die Studie hatte zwar durchweg das Gegenteil...

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Spargel kann nichts - außer schmecken
Sendung vom 29.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Die Hymnen auf den Spargel werden von Jahr zu Jahr euphorischer. Was den Amerikanern ihre "Polypill", also jene magische Tablette, ist, die gegen alle Krankheiten dieser Welt hilft, das ist den Deutschen ihr Spargel: "Spargel – der Alleskönner" lese ich auf einer beliebigen Website, die wie viele andere auch Gesundheitsversprechen als Geschäftsmodell betreibt. Ganz vorne an steht wie immer das willentliche Verkleinern des eigenen Körpers, der Versuch mittels einer Diät, sprich mit quälendem Hunger, seine äußeren Konturen an die Konfektionsgrößen der Modeindustrie anzupassen. Beim Spargel geht das wie von selbst. Der löst nämlich keinen Frust, sondern Abnehmbegeisterung aus. Abnehmbegeisterte, lese ich, "können bei Spargel … zuschlagen bis zum Abwinken". Denn: "Kalorien sucht man im Spargel nahezu vergeblich". Stimmt. Der Nährwert entspricht tatsächlich dem Inhalt einer Seifenblase oder einer Website über gesunde Ernährung. Doch heute ist alles, was ohne...

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Fleisch
Sendung vom 22.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Es wird wieder Geld verteilt: Diesmal soll es den Tieren in den Ställen besser gehen. Handelsunternehmen haben für die "Initiative Tierwohl" dieses Jahr etwa 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das sollte für gut 10 Millionen Schweine reichen. Zum Vergleich: Jedes Jahr werden in Deutschland an die 60 Millionen Borstentiere geschlachtet. Das Interesse der Landwirte ist groß – viele Anträge wurden abgelehnt, weil das Geld schon jetzt nicht mehr reicht. Für die abgelehnten Betriebe ist das bereits ein Verlustgeschäft. Denn sie mussten vor der Anmeldung in Vorleistung treten, beispielsweise Umbauten an ihren Ställen vornehmen, die sie aus eigener Tasche bezahlt haben. Nun gut, wenn es dadurch den Schweinen besser geht, ist das nicht von Schaden. Es gibt bei der Aktion Tierwohl Basiskriterien, die jeder erfüllen muss wie das Anbieten von Raufutter oder 10 Prozent mehr Platz, sowie Wahlkriterien, wie beispielsweise "Komfortliegeflächen". Für jede Maßnahme gibt's ein paar Cent, so dass...

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Landwirtschaft
Sendung vom 15.05.2015

Radio

Von Udo Pollmer

Endlich hat die Landwirtschaft eine Stimme, die auch gehört wird. Unter dem Pseudonym "Bauer Willi" hat ein Landwirt vom Niederrhein einen Brandbrief an die Verbraucher gerichtet. Aus seiner Sicht sind die ziemlich schizophren. Einerseits forderten sie eine Ponyhof-Landwirtschaft mit Schmetterlingen und Blümelein, andererseits würden sie immer nur das Billigste aus der Monokultur kaufen. Erst stellen sie jede Menge Ansprüche an die Erzeuger und dann werfen sie ihre Nahrungsmittel achtlos in die Tonne. Für Bauer Willi ein deutliches Zeichen, dass unsere Lebensmittel zu billig sind, eine Aussage, für die er im Internet viel Zustimmung erntete. Einer seiner Kollegen bekam für seine Kartoffeln gerade mal einen Cent pro Kilo – und im Laden kosten TK-Pommes dann mehr als das Zweihundertfache. Hier mache sich jemand "gewaltig die Taschen voll", urteilt der Landmann. Sein Frust ist verständlich, aber glaubt er ernsthaft, dass das Geld in seinen Taschen landet, wenn die Kunden...

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