Gegen vegetarische Ernährung ist wahrhaftig nichts einzuwenden. Aber spätestens seit dem Grünen-Wahlkampf-Hit Veggie Day sollte es erlaubt sein, darüber nachzudenken, was in den Köpfen des militanten Teils der Fleischlos-Bewegung eigentlich so vorgeht. Der Lebensmittelchemiker und Publizist Udo Pollmer tut das schon lange. Hans Kantereit von Effilee hat ihn zu einem ausgewogenen Mittagessen eingeladen. 

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erschienen in Effilee Winter 2013/2014 S. 82-86  

Spargel-kleinFoto: Stephan Mosel
Lizenz: CC BY 2.0
HK: Herr Pollmer, wir sitzen hier fröhlich bei Tisch und Sie haben der Bedienung eben eine klare Ansage gemacht: Sollte zu Ihrem Geschnetztelten ein Salat gehören, dann bräuchte sie ihn für Sie nicht zu servieren. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste?

UP: Nicht mit der Bedienung. Aber beim Salat kommt’s drauf an, wonach einem der Sinn steht. Nehmen wir mal den worst case: Der Gast will den Salat nicht zum Behufe der Sättigung, sondern legt Wert auf Gesundheitssymbole. Dann kriegt er Grünzeug – rein symbolisch. Sollte er wirklich Wert auf Vitamine und Ballaststoffe legen, dann wäre der Wurstsalat eine gute Wahl. Allen roten oder auch rosa Wurstsorten ist Vitamin C zugesetzt, als Umrötebeschleuniger. Der normale Kopfsalat, den die Bedienung wahrscheinlich serviert hätte, ist dagegen vitaminarm. Vitamine enthält er nur in den Nährwerttabellen. Bei Wurst und Schinken hingegen hat man den Vitamingehalt in den Tabellen nach unten manipuliert, damit der Benutzer mit eigenen Augen sieht: Grüner Salat ist toll, Wurst wertlos.

In der Tat sind aber rote Wurstsorten die wichtigsten Vitamin-C-Lieferanten und nicht etwa frische Kräuter. Bei den Ballaststoffen sieht’s ähnlich aus: Seit die Ballaststoffe als gesund gelten, werden die tierischen Ballaststoffe nicht mehr erwähnt. Offiziell sind Wurstwaren jetzt sogar frei von Ballaststoffen – früher gab’s regelmäßig Beanstandungen, weil zu viel tierische Ballaststoffe (wie Sehnen) drin waren. Das Fälschen von Nährwerttabellen...

Jeder Kopfsalat hat den Nährwert eines halben Taschentuchs, und Fischöl ist nur etwas für Fische: Lebensmittelexperte Udo Pollmer über die Irrtümer der Ernährungslehre.

Interview: Helene Aecherli, erschienen in „Beobachter Natur" Mai 2013: S. 28-29

PDF-downloadFrau Kopfsalat© Sergey Khamidulin / www.fotolia.deH.A.: Herr Pollmer, ganz spontan: Nennen Sie mir drei Nahrungsmittel, die besser sind als ihr Ruf. 

U.P.: Lassen Sie uns die Geschichte von vorne beginnen, damit wir sie richtig hinkriegen. Was steht beim Essen immer im Zentrum?

H.A.: Sie fragen mich das?

U.P.: Ja, bitte.

H.A.: Hunger?

U.P.: Emotionen. Unser Appetit wird biologisch über das Bauchgefühl gesteuert, also über den Körper vermittelt. Er teilt uns mit: «Ich habe Hunger oder Durst auf dieses oder auf jenes.» Der Appetit ist nicht irgendein Teufelszeug, das wie die Hexe im Lebkuchenhaus zum Essen verführt. Er ist Ausdruck davon, dass der Körper eigene Vorstellungen hat von dem, was er will. 

H.A.: Der Körper denkt, entscheidet und handelt?

U.P.: Exakt! Unser Körper hat nicht nur Sinne für ...

ButterFoto: Jessica Merz
Lizenz: CC BY 2.0

Die erste Steuer gegen ungesundes Essen steht auf der Kippe!

Die erst im Jahr 2011 eingeführte Fett-Steuer, die in Dänemark auf alle Lebensmittel erhoben wurde, die mehr als 2,3% gesättigte Fettsäuren enthalten, sollte die Bevölkerung verschlanken. Erreicht hat sie das natürlich nicht. Wie auch? Dazu müsste unser Körper ja in den selben verkorksten Schemen denken, wie die Gesundheitspolitiker. Etwas hat die Maßnahme natürlich gebracht - die Dänen kaufen ihre Butter jetzt lieber im Ausland, weil das halbe Pfund hier 30 Cent weniger kostet. Das kennt man ja schon von den Norwegern und ihrem Spirituosenerwerb .... Industrie und Handel klagen in Dänemark deshalb nicht nur über Umsatzeinbrüche, sondern auch über den bürokratischen Aufwand, bis man diese komplizierte Rechnerei bewerkstelligt hat.  

Nicht in den Medien berichtet wird...

Der Appetit und das Ende des schlechten Gewissens:
Lebensmittelchemiker Udo Pollmer im Interview.

Esst doch, was ihr wollt!

erschienen in der Mittelbadischen Presse am 05.10.2013  PDF-download 

Ein Tag pro Woche ohne Fleisch? Im Wahlkampf sorgte die Idee der Grünen für Empörung, sie wurde belächelt und beschimpft. In Sachen Fleisch scheint der Deutsche keinen Spaß zu verstehen. Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften weiß, warum. Von Victoria Hof

EntrecoteF. Vallotton: Entrecôte (1914)VH: Herr Pollmer, woher kommt eigentlich unser unbändiger Hunger auf Fleisch?

UP: Das hat einen ganz simplen Grund. Der Körper wählt sich seine Nahrung nach ihrer Wirkung aus. Er zieht Bilanz und teilt uns das Ergebnis in Form des Appetits mit.

VH: Der Appetit zeigt uns also, was wir brauchen?

UP: Er verkörpert die Lebenslust. Wenn der Körper feststellt, dass bestimmte Dinge für ihn von Vorteil sind, dann fordert er diese ein. Das Bedürfnis nach Essen und Trinken ist ein tief verankerter Trieb und Triebe sind immer mit Freude verbunden. Denn biologisch richtiges Tun wird von der Natur mit Befriedigung belohnt.

VH: Schokolade, Schnitzel, Pizza: Was uns schmeckt, ist also genau das Richtige?

UP: Ja, der Körper lässt sich auf Dauer nicht verführen, aber er fordert ein, was er braucht. Versuchen Sie mal, sich nur 48 Stunden lang ausschließlich von Schokolade oder nur von Pizza zu ernähren, das scheitert wie jede andere Diät auch..

VH: Aber warum Fleisch?

UP: Es geht ihm zunächst um die Energie, die wir zum Leben brauchen. Das ist die wichtigste Aufgabe. Dann achtet der Körper darauf, dass die Speise gut verwertbar ist – und das ist beim Brathähnchen oder der Leberwurst der Fall. Daneben sucht der Körper auch Stimmungs-Stoffe. Je weniger Tageslicht wir abbekommen, ...

Magen-Darm-Krankheiten um 80% gestiegen

Hofheim/Berlin (lme) – Die seit Jahren wiederholte Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der jeweils amtierenden Verbraucherschutzministerin fünf Portionen Obst und Gemüse zu verzehren – einschlägig bekannt auch als IN FORM oder 5-am-Tag – hat mehr geschadet als genutzt. Zudem fehlt nach Meinung des Ernährungswissenschaftlers und Ökotrophologen Uwe Knop aus Hofheim für diese Empfehlung jeglicher Nachweis eines Nutzens.
Offensichtlich hat der staatliche Aufruf zu mehr Obst- und Gemüseverzehr für kollektive Verdauungsprobleme gesorgt. Knop belegt dies mit Daten aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die das EU.L.E. e.V. grafisch aufgearbeitet hat.1

 

K31 Sonstige KrankheitenK31 Sonstige Krankheiten des Magens und des Duodenums
Die klinischen Diagnosen von „Sonstigen Krankheiten des Magens und des Dünndarms“ sind seit Beginn der Ernährungskampagne „5x am Tag Obst & Gemüse“ in den Jahren 2000 bis 2011 um etwa 80% gestiegen

 

 

  (Weitere Grafiken: weiter...)