Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 10.08.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Unsere Supermärkte führen immer weniger bewährte Produkte, sie setzen lieber auf "Superfood". Statt Lebensmittel, die der Kunde zum Leben braucht, gibt’s nun Kaufähiges, welches das aktuelle Glaubenssystem der Kundschaft bedient. Nachdem viele traditionelle Erzeugnisse bis an den Rand der Ungenießbarkeit verbessert wurden, salzarm, fettarm, kalorienarm, dafür mit geschmeidigen Pflanzenfasern, sucht der Handel nun händeringend nach Alternativen. Doch das neue Sortiment an Superfood aus rohen Kakaobohnen, bitteren Wiesenkräutern und komischen Beeren, die laut Werbung "super sauer schmecken", ergibt noch kein Menü. Zum Glück gibt es noch halbwegs echte Produkte - zum Beispiel Vollmilch. Doch die Milch fördere Krebs, verschleime Kinder und sorge, wie ein populäres Gesundheitsportal verbreitet, für einen "frühen Tod". Das Grundnahrungsmittel...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 27.07.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Körperbewusste Menschen widmen sich gern ihren Problemzonen als da bisher waren: Bauch, Beine, Po. Das stete Gejammer ging unlängst einer Autorin auf den Geist, sie spottete genervt, die wichtigste "Problemzone" sei wohl doch das "Hirn". Zum Glück wissen Ernährungsberaterinnen Rat: Was zur Straffung von Bauch, Beinen und Po recht ist, sei fürs faltige Hirn nur billig: viel Brokkoli, fettarme Kost, und reichlich Wasser lautet der Tenor in den Onlinemedien. Unser Gehirn ist auch nicht mehr das, was einmal war: Früher wurde es zum Zwecke des Denkens mit Traubenzucker betrieben, heute genügt Wasserkraft. Mit 78 Prozent sei Wasser schließlich der Hauptbestandteil, betonen Experten und folgern daraus, zur artgerechten Bewässerung seien zwei Liter am Tag erforderlich. Damit ließe sich das Blut verdünnen, und schon...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 13.07.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Die Billigexporte deutscher Bauern nach Afrika ruiniert die dortige Landwirtschaft. So lautet hierzulande ein gängiger Vorwurf. Aber stimmt das überhaupt? Udo Pollmer hat sich die Exportdaten mal genauer angeschaut. Die deutschen Agrarexporte ruinieren Afrikas Kleinbauern, so unsere Medien. Unisono fordern Dritte-Welt-Experten: Beendet endlich die Billigexporte von Geflügelfleisch und Brotweizen zum Schutz der Bauern vor Ort! Das hülfe wirklich gegen den Hunger. Die Afrikaner sehen das offenbar anders: Da der Kontinent seine Bevölkerung nicht ernähren kann, schreiben die Regierungen die Importe aus. Wer Weizen am billigsten liefert, bekommt den Zuschlag. Da unsere Produktion teuer ist, kommen meist jene Länder zum Zuge, die auf ein Heer billiger Arbeitskräfte zurückgreifen können. Unsere Exporteure würden liebend gerne mehr...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 29.06.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Vor 80 Jahren fasste das Schweizer Unternehmen Roche einen Entschluss: Vitamin C sollte vermarktet werden. Die Hausärzte lachten die Pharmavertreter nur aus. Doch das Unternehmen fand einen Weg, dem Vitamin zu seinem Siegeszug zu verhelfen, erklärt Udo Pollmer. Aktuell warnen die Verbraucherzentralen vor Nahrungsergänzung für Kinder. Gut die Hälfte der Proben überschritten die vom Bundesinstitut für Risikobewertung vorgeschlagenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe oder schöpften sie aus, obwohl diese Höchstmengen erst ab einem Alter von 15 Jahren gelten. Das Schlucken von Vitaminen hat die beschwerlichen Wallfahrten zu den Reliquien abgelöst, die einst von Kranken in der Hoffnung auf Heilung aufgesucht wurden. Heute versprechen Vitamincocktails Erlösung, wo früher die Anbetung eines Tischtuchs...

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Udo Pollmers Mahlzeit
Sendung vom 15.06.2018

Radio

Von Udo Pollmer

Natürlich leben und essen: Das muss gut sein, wird häufig angenommen. Das stimmt nicht immer, meint Udo Pollmer und belegt dies am Nicksyndrom: Auf der Suche nach der Krankheitsursache sorgte beispielsweise gerade ein Mehr an Vitamine für Unheil. Dort wo die Menschen noch im Einklang mit der Natur leben, seien sie auch gesünder, so ein landläufiges Vorurteil. Leider ist in Naturgesellschaften die Kindersterblichkeit hoch. Im Norden Ugandas und im Südsudan beispielsweise leiden viele junge Menschen am Nicksyndrom. Es beginnt mit unkontrolliertem Kopfnicken, dann folgen Krämpfe, schließlich versinken die Opfer in völliger Apathie. Da westliche Therapeuten mit ihrem Latein schnell am Ende waren, vermuteten sie reflexartig einen Mangel an Vitaminen, fehlende Impfungen und Kriegstraumata. Das waren leider falsche Fährten...

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