Drucken

von Jutta MuthPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 1/2010 S. 24 

Im EU.L.E.N-SPIEGEL 2-3/2008 zum Thema Nanotechnologie hatten wir die Vision vorgestellt, Gebrauchsgegenstände in einem 3-D-Drucker, einem sogenannten Fabber herzustellen. Diese Idee wurde nun für Verköstigungszwecke weitergesponnen:

SchlaraffenlandSchlaraffenland
Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere
Studenten des Massachusetts Institute of Technology haben einen Fabber namens Cornucopia entworfen. (Der Name leitet sich vom lateinischen Füllhorn - Cornu copiae  - ab, dem Schlaraffenland der Antike.) Statt Toner oder Kunststoffpartikeln enthält der Küchenfabber Lebensmittelzutaten. Sie werden im Druckkopf gemischt und Lage für Lage „ausgedruckt". Die Anlage kann heizen oder kühlen, je nachdem ob es Suppe oder ein gemischtes Eis geben soll. Geht eine der Zutaten zur Neige, ...

...unterbreitet die Software alternative Rezeptvorschläge, je nach Restbestand in den „Füllhörnern" – sofern nicht per Internet bei niedrigem Füllstand automatisch nachbestellt wurde. Die Idee stammt wohl nicht zufällig von Studenten: Denn das Mensa-Essen weckt schnell Träume von einer Cornucopia, bei der man sich seine Lieblingspizza an einem menügesteuerten Display zusammenbasteln kann. Der ernährungsbewusste User kann nach Belieben den Kaloriengehalt wählen, Low-Carb-Gerichte abfordern oder Fettreduziertes basteln lassen. Für Vegetarier wird das Schnitzel aus Sojapulver aufgebaut und mit Soße bespritzt, damit dem Auge die schweinefreie Schweinerei verborgen bleibt. Dank des Füllhorns brechen auch für Ernährungsberater rosige Zeiten an. Vorbei ist das mühsame Erlernen von Ernährungswissen oder gar das Beantworten peinlicher Fragen. Bei neuen Empfehlungen genügt ein simples Update und schon passt sich das Menü den aktuellen Parolen an.

Der Fabber warnt seine Kunden natürlich auch vor ungesunden Wünschen und meldet bei Normabweichlern in Sachen Cholesterin, BMI oder sonstwas verdächtige Bestellungen entweder per Pfeifton den anderen Gästen oder petzt die Vergehen per SMS gleich dem Hausarzt und der Krankenkasse.

Doch Obacht! Ein kleiner Softwarefehler genügt, und ruckzuck quellen eigenartige Kreationen aus dem Essens-Replikator, die sich in punkto Geschmack und Geruch in nichts von denen heutiger Food-Designer unterscheiden.