von Jutta MuthPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 1/2010 S. 18-19 

Kraut und Rueben 1Besser ein spätes Abendessen als Frühstück zu nachtschlafender Zeithätt' meine Mutter Fleisch gekocht, so wär ich da geblieben". Schon Johann Sebastian Bach hielt wohl nicht all zuviel von der Küche seiner Mutter. Hätten sich doch die vielen Ratgeber zur Kinderernährung an dieses Sprüchlein erinnert! Doch hier herrscht seltene Einigkeit: Kräuter und Körner statt Fleisch und Fett, samt einer Menge psychologischer Tricks, wie man die Kinder dazu bringt, das zu essen, was sie nicht mögen und dafür alles liegen zu lassen, was Kinderherzen höher schlagen lässt.

Die Ratgeber versuchen stets den Eindruck zu erwecken, die Kleinen würden geduldig und sanft geleitet - sollen sie doch nur um ihrer Gesundheit willen das aktuell richtige Essverhalten lernen. Wer die physiologischen Bedürfnisse von Kindern kennt, wundert sich nicht, wenn die Kinder dann versuchen, sich diesen „Mahlzeiten" zu entziehen, führt dies meist zu noch rigoroseren Erziehungsmaßnahmen. Dabei...

Oberstübchen in GefahrPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 5-6/2010 S. 44 

Ungesundes Essen macht, so weiß SpiegelOnline, „nicht nur dick, sondern auch doof". Durch Junk Food „können ganze Hirnregionen schrumpfen", was via „Teufelskreis" dazu führt, dass „das Essverhalten weiter außer Kontrolle gerät". Das hat weitreichende Konsequenzen: „Größerer Hüftumfang geht mit einem kleineren Gehirn einher". Meine Damen, hüten Sie sich vor dem Klimakterium – oder noch besser vor dem Blick in den „Spiegel"!

Kind mit Hamburger© Numérik / www.fotolia.deDas Qualitätsmedium beruft sich auf eine Studie, derzufolge Zucker und Fett im Essen den Hippocampus ruinieren. Bei vielen Übergewichtigen sind bekanntlich einige Entzündungsparameter erhöht, eine Folge des metabolischen Syndroms. Das verleitet die Forscher zur Annahme, damit würde die Blut-Hirn-Schranke porös, was wiederum die Menschen in unkontrollierbare Zombies verwandle, die ihrer Fressgier nachgeben und unweigerlich verfetten. Das haben die Insassen des Ressorts Gesundheit wohl schon immer geahnt...

Problematische EinzelkämpferPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 4/2003 S. 9-10

Seit den 80-er Jahren häufen sich die Schlagzeilen über Todesfälle nach Infektion mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC). Diese treten vor allem in Ländern mit einer hochentwickelten Landwirtschaft auf: Infolge der intensiven Tierhaltung kann sich der Erreger in den Beständen besser ausbreiten. Wissenschaftlichen Studien zufolge scheidet jedes zweite Rind EHEC-Bakterien mit dem Kot aus. Bei Kälbern sind diese Erreger häufig Ursache von Durchfallerkrankungen. Wiederkäuer, vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen, werden als Hauptreservoire angesehen.

Streichelzoo© Frank D. SchipperForscher der US-amerikanischen Cornell University vertreten die Meinung, dass auch die Rinderfütterung für den hohen Durchseuchungsgrad der Bestände verantwortlich ist. Futter mit einem hohen Getreideanteil begünstigt die Entwicklung eines sauren Pansenmilieus, in dem sich die säureresistenten EHEC-Keime gut vermehren können. Obwohl das Datum der Entdeckung von EHEC auf das Jahr 1977 gelegt wurde, traten in der Schweiz schon 1955 Erkrankungen mit einem ähnlichen Krankheitsbild auf. Eine Vielzahl von Vehikeln wurde seitdem für menschliche Infektionen nachgewiesen: unter anderem Rinderhackfleisch, Salami, Mettwurst, Rohmilch, nicht-pasteurisierter Apfelsaft, Sprossen sowie Bade- und Trinkwasser. Von Bedeutung sind auch Mensch-zu-Mensch-Infektketten, was besonders für Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung zu beachten ist. Auch sind direkte Tier-Mensch-Kontakte als Übertragungswege möglich, beispielsweise in Streichelzoos oder bei Besuchen landwirtschaftlicher Betriebe („Ferien auf dem Bauernhof")...

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von Jutta Muth

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 3-4/2009 S. 40 

bunte Pillen© Andreas F. / www.fotolia.deUnerhörte Studien

In letzter Zeit hatten Studien mit Antidepressiva so verheerende Ergebnisse erbracht, dass sie das Geschäft mit den Psychopillen ruiniert hätten. Im Doppelblindversuch wirkten sie nicht besser als Placebos, teilweise schnitten sie sogar schlechter ab. Das zeigt auch ein aktuelles Beispiel aus der Suchtbehandlung: Weder Naltrexon noch Acamprosate konnten Alkoholabhängigen Linderung verschaffen. Da die Pharmahersteller das nicht auf sich sitzen lassen wollten, wurde gleich eine neue Studie anberaumt, auf dass der Hintergrund dieses unrühmlichen Ergebnisses durchleuchtet werde. 169 Alkoholiker erhielten in einem Doppelblindversuch entweder Naltrexon, Acamprosate oder ein Placebo. Zwölf Wochen lang wurde protokolliert, wie viel Alkohol die Patienten tranken, wie stark sie ihre Abhängigkeit einschätzten und wie sehr sie unter dem Verlangen nach Alkohol litten (Cravings)....

von Monika NiehausPDF-download

aus EU.L.E.N-SPIEGEL 2/2010 S. 17

WC© mema / www.fotolia.deIm März 2010 erschien in der New York Times ein Artikel mit dem Titel „The Great Prostate Mistake"1, der viel Staub aufwirbelte. Darin ging es um das Prostata-Screening mittels PSA-Test (PSA = Prostata-spezifisches Antigen). Demnach würde der Test, dem sich jährlich rund 30 Millionen (!) Amerikaner unterziehen und dessen Kosten mit mindestens drei Milliarden US-Dollar pro Jahr zu Buche schlagen, nur der Gesundheitsindustrie nützen.

Das Geld könne man genauso gut aus dem Fenster werfen: „Mit einem PSA-Test lässt sich kein Prostatakrebs entdecken, und noch wichtiger, der Test kann nicht zwischen den beiden Typen von Prostatakrebs unterscheiden – demjenigen, der Sie auf die Dauer umbringt, und demjenigen, der das nicht tut. ... es ist weitaus wahrscheinlicher, mit Prostatakrebs zu sterben als an ihm zu sterben."

Nun könnte man dies als die übliche Miesmacherei eines Vorsorgemuffels unter den Journalisten abtun, aber...